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Ernste Diskussionen Themen mit etwas mehr "Tiefgang", welche weder so richtig in "Smalltalk" noch in "Politik & Wirtschaft" passen

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  #1  
Old 24.09.2008, 22:07
sun6262's Avatar
sun6262 sun6262 is offline
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Default Patientenverfügung

Aus persönlichem Anlass möchte ich kurz darüber schreiben.

Man stelle sich folgendes vor:

Ein Mensch, sagen wir mal knapp über 70, geistig noch voll fit und wach, aber aus gesundheitlichen Gründen in ein Pflegeheim gekommen. Dies aus eigenem Antrieb, weil die Einsicht vorhanden war, es nicht mehr allein schaffen zu können.
Trotz den erheblichen Einschränkungen lebte sich dieser Mensch gut in diesem Heim ein. So gut, dass dieser Mensch anderen älteren Insassen dort menschlich helfen konnte. Medizinisch wurde dieser Mensch mit Morphium behandelt.
Ziemlich plötzlich erleidet dieser Mensch einen Herzinfarkt und bekommt Kammerflimmern. Der Notarzt reanimiert 5x, da logischer Weise keine Zeit für solche Infos wie die Patientenverfügung da war.
Komatös wurde dieser älter Mensch ins Krankenhaus eingeliefert, an viele Maschinen angeschlossen ( wurde künstlich beatmet , bekam Nahrung über die Magensonde und so weiter).
Die Tochter, die über alle nötigen Vollmachten verfügte, bat darum, als sich heraus kristallisierte, dass dieser Mensch dem Tode näher als dem Leben war, sich wirklich nur noch auf das Nötigste zu beschränken.
1. Hat man diesen Menschen nach mehr als einem halben Jahr Morphiumbehandlung einen kalten Entzug unterzogen (er war ja angeblich nicht bei vollem Bewustsein, was so ja nicht stimmte, nur wegen der Reanimationen lag ein Hirnschaden vor, aber der Schmerz und Entzug wurde voll mit erlebt, es fehlte die Möglichkeit dies zu artikulieren). Man hielt an den lebenserhaltenden Maßnahmen fest und versuchte an dem Bevollmächtigten vorbei einen gerichtlichen Vormund zu bestellen.
Dies wurde durch den Sterbenden selbst durch den (erlösenden ) Tod Gott sei Dank vereitelt.
Was ist diese Patientenverfügung denn überhaupt wert?
Habe mich da ein wenig eben durch diesen Anlass informiert.
Egal bei wem, wann und wo diese Verfügung verfasst wurde, man sollte diese jährlich zu mindest durch eine erneute Unterschrift aktuallisieren. Ansonsten läuft man wohl Gefahr wie ein Tier verreckt werden zu lassen.
Eagl ob diese Verfügung vor einem Anwalt, Notar oder vor einem Geistlichen unterschrieben und abgesegnet wurde. Hätte man auch so gehandelt, würde es sich um einen Organspender handeln?
Meine Hunde, soviel weiß ich schon heute, werden würdiger und respektvoller gehen dürfen.
__________________
Man kann 20 Jahre die gleichen Fehler machen und dies dann 'Erfahrung' nennen
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  #2  
Old 24.09.2008, 23:31
BluesB4Sunrise's Avatar
BluesB4Sunrise BluesB4Sunrise is offline
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BluesB4Sunrise befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Default Hallo Sun.

Ich befürchte, auch dieses Thema wird hier im Forum auf die übliche Weise zerpflückt - das mal vorweg.

Zum Thema:
Die Crux bei den Patientenverfügungen ist ja, dass Ärzte zunächst mal über ihren hippokratischen Eid daran gehalten sind, alles zu tun, um Leben zu erhalten, wo es möglich ist.
Für die medizinische Notfallreaktion kann man da also keinem einen Vorwurf machen - zumindest nicht unter den hier geschilderten Voraussetzungen.


Hilfreich ist es sicher, wenn im entsprechenden Pflegeheim die Existenz und der genaue Inhalt einer Patientenverfügung bekannt sind, noch bevor der entsprechende Fall eintritt.
Ebenso hilfreich - und wichtig - ist, dass sie "rechtsgültig", also formell richtig und aktuell ist.
Der Hinweis, sie regelmässig zu aktualisieren ist also durchaus berechtigt. Das wird gern vergessen.

Wenn eine solche Verfügung vorliegt, wird darin ja hoffentlich sehr genau und einzeln aufgelistet stehen, was sich der Betroffene wünscht und was er nicht zulassen möchte.
Da wären beispielsweise solche Punkte wie die künstliche Ernährung, die Behandlung mit lebenserhaltenden Medikamenten, mit Schmerzmitteln, etc. aufgeführt, über die man sich im Vorfeld sehr genau und bis zur letzten Konsequenz Gedanken machen muss.
Was auch immer dann in dieser Verfügung festgelegt wird, sollte derjenige, der sich als Vertreter hat eintragen lassen auch zeitnah mit allen verfügbaren Mitteln durchsetzen, denn es ist ein Unterschied, ob eine Behandlung von vorneherein ausgeschlossen wird, oder schon über einen gewissen Zeitraum läuft und dann abgebrochen werden soll.

Insofern kann ich mit den hier aufgeführten Informationen nicht verstehen, wie eine entsprechende Morphium-Behandlung über diesen Zeitraum durchgeführt werden konnte, wie eine Sonde überhaupt gelegt werden konnte, etc.
Man muss da schon im Einzelfall sehr genau hinsehen.

Es ist die sehr schwierige Aufgabe desjenigen, der sich als Vertrauensperson hat eintragen lassen, unerwünschte Behandlungen schon dann im Sinne und nach Wunsch des Patienten unterbinden zu lassen, wenn vielleicht noch die Hoffnung besteht, dass sich alles wieder zum Guten wenden wird.
Eine Situation, die ich sicher nicht erleben und eine Entscheidung, die ich nicht treffen müssen möchte.
Darauf habe ich mich aber in dem Moment als Vertrauensperson eingelassen, als ich der Verfügung zugestimmt habe.
In der Regel ists ja so, dass die eingetragenen Vertrauenspersonen solche sind, die dem Patienten sehr nahe stehen und die in der entsprechenden Situation ihre ganz eigene Trauerarbeit leisten müssen.

Dazu muss man dann schon sehr stark sein...



Am Rande erwähnt:

Zum Thema Organspende:
Ich glaube noch immer, dass das hierzulande kein Argument ist, jemanden frühzeitig aus dem Leben scheiden zu lassen, wenn die Organe noch "gebraucht" werden - mal abgesehen davon, dass wir hier von einem alten Menschen reden.

Und -trotz allem, ich weiss ja nicht inwiefern Du da persönlich involviert bist- aber lass doch mal die Vergleiche mit Deinen Hunden aus solchen Themen heraus.
Ich finde sie unangemessen in dem Zusammenhang und glaube, das führt hier schnell in die falsche Richtung, obwohl ich den Gedanken nachvollziehen kann.



Lieben Gruß
Blues
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  #3  
Old 24.09.2008, 23:33
trace
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Eine Patientenverfügung ist das Papier nicht wert, auf dem sie verfasst wurde, wenn im Ernstfall keine resolute Person vorhanden ist, die Punkt für Punkt den Ärzten und Pflegenden gegenüber auf der Einhaltung dieser Verfügung für den Patienten besteht und diese Einhaltung auch ständig überwacht. Das bedeutet sehr viel Zeitaufwand und Durchsetzungsvermögen. Ärzte verstehen es außerdem, gewaltigen Druck auszuüben mit pseudomoralischen Argumenten und dem geballten Ausspielen ihrer fachlichen Kompetenz. Das macht es zusätzlich schwer, standhaft zu bleiben und sich an die Verfügung zu halten. Ärzte und Krankenhäuser haben ein großes finanzielles Interesse an diesen so genannten lebensverlängernden Maßnahmen, besonders bei Privatpatienten.

Dein konkreter Fall, sun, ist etwas wirr dargestellt. Die bevollmächtigte Person muss schon sehr unbeholfen aufgetreten sein, wenn versucht wurde, einen gerichtlichen Vormund zu bestellen. An den Morphiumentzug glaube ich auch nicht so recht - diese Behandlung bringt den Ausführenden richtig Schotter, wäre also selbstschädigend für das Krankenhaus.

Für eine Patientenverfügung gibt es Vordrucke bzw. Formulare. Sie sollte so ausführlich wie möglich verfasst werden und ist vom Patienten und 2 Zeugen zu unterschreiben. Man sollte eine Reihe Kopien davon machen und sofort im Fall der Fälle je ein Exemplar an das Krankenhaus, jedem einzelnen behandelnden Arzt und dem Personal im Stationszimmer übergeben. Ein Übergabeprotokoll mit Datum und Uhrzeit ist vorteilhaft.
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  #4  
Old 25.09.2008, 06:22
sun6262's Avatar
sun6262 sun6262 is offline
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@blues,
danke erstmal für die Antwort- muss allerdings richtig stellen:

Es gibt diesen Eid hier in diesem Lande nicht mehr!

Mir ist auch klar, dass der Einwand mit meinen Hunden nicht grade passend ist.
Allerdings kam zum Zeitpunkt der Trauer um einen nahestehenden Menschen auch eine Erkrankung meines ältestendes Hundes, die ebenso hätte tötlich können, dazu, so dass es ich in dem erwähnten Kontext erlebe.

@trace:

Ein Mensch, der in Sorge und Trauer ist, mag es extrem schwer haben, solche Dinge durch zu setzen.

Und wieso soll eine Einrichtung, wie ein Krankenhaus , gerade an BTm-Gabe etwas verdienen? Solche Medikamentengaben sind mit einem hohen Verwaltungsaufwand zu verabreichen ( Dokomentation, schriftliche Argumentation , sind unter Verschluß, es wird eine Genehmigung erteilt, wer diese geben darf etc).Wäre mir neu, dass genau daran bei einem Kassenpatienten daran extremer Gewinn gebunden wäre.
Nicht jede Vertrauensperson kann sich gut durchsetzen, und in allen anderen Punkten war es so, wie Du es schreibst- 2 Unterschreibende, Kopien etc lagen dem Krankenhaus vor.allerdings nur 1x. Dennoch wurden Gespräche diesbezüglich mit dem Stationsarzt geführt. Die Reaktion darauf war eben- hinter dem Rücken der Bevollmächtigten gerichtlich einen Vormund zu bestellen.
Es entstand viel mehr der Eindruck, als sollte der Patient so schnell wie möglich aus der Intensivbehandlung so fit gemacht werden, dass er mit Pflegestufe 3 ins Pflegeheim verfrachtet werden sollte.
Auf der Suche nach weiteren Infos kam ich zu dem Schluss: wer keine unnötigen lebenserhaltenden Maßnahmen will, dies via Patientenverfügung dokumentiert, sollte diese Unterschrift wirklich jährlich in Anwesenheit der beiden Zeugen erneuern.
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