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Ernste Diskussionen Themen mit etwas mehr "Tiefgang", welche weder so richtig in "Smalltalk" noch in "Politik & Wirtschaft" passen

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  #1  
Old 04.03.2013, 15:16
joanne joanne is offline
In Gedenken an
 

Join Date: 16.03.2008
Location: OWL
Posts: 197
joanne befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Default Hitler als Witzfigur?!

Eine diskussionsrunde, die ich kürzlich im fernsehen sah, geht mir
nicht aus dem sinn und möchte ich hier einmal zu einem meinungs-
austausch vorstellen; vielleicht hätte jemand lust und anreiz, dazu
etwas zu sagen. Das thema war die veröffentlichung eines buches
in dem der autor hitler als eine komikfigur benutzt. Leider schaltete
ich mich erst in die bereits begonnene sendung ein, sodass ich weder
namen des buches oder des autors deutlich hörte oder verstand.
Ich war entsetzt zu erfahren, dass es durchaus nicht eine vorwiegend
ablehnende einstellung zu der idee, dass es vielleicht wirklich zum
lachen reizen würde, ein solches buch zu lesen, gab. Es wurde auch
hier erwogen, ob nicht--wie man öfter hören kann--"endlich mal ein
strich unter die vergangenheit" gezogen werden solle.
Eingeblendete befragungen zum thema, die auf der straße durchge-
führt worden waren, richteten sich hauptsächlich an angehörige der
nach n.s. zeit generation, vorwiegend schüler. Es war erschreckend,
wieviel unwissenheit über das ausmaß von hitlers verbrechen bei ei-
nigen schülern bestand (unterschiedlich nach art der schule)!
Ohne jetzt in einzelheiten über diese diskussion mit dem spezifischem
thema zu gehen, fasse ich meine persönliche ansicht zu dem
so heiklem thema unserer geschichte etwa so zusammen:
Wir lassen uns gern als land der dichter und denker bezeichnen
und sind stolz darauf- dann müssen wir aber auch mit perioden
der scham und schande leben können und nicht solche "unter den teppich
kehren" wollen.

Last edited by Pilot040; 06.03.2013 at 14:41.. Reason: Auf Wunsch der Autorin bearbeitet
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  #2  
Old 05.03.2013, 22:54
Krystie Krystie is offline
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Join Date: 22.02.2008
Posts: 14
Krystie befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Hallo joanne
die Diskussion sah ich auch mit u.a. dem Herausgeber der "Titanic", einem Satire Magazin und Helmut Karasek, ich glaube es war bei Plasberg?
Das Buch, eine böse Satire, über das diskutiert wurde heißt:
"Er ist wieder da" der Autor ist Timur Vermes und es handelt tatsächlich von Hitler, der irgendwie auf wundersame Weise in Berlin auf einem leeren Grundstück aufwacht und sich mit unserer heutigen Zeit auseinandersetzen muss.
Ist Hitler zum Lachen? Für mich ein Unding, düster und unbehaglich. Ich wollte es nicht lesen, hab mich dagegen gesträubt, aber eine meiner Töchter hat es mir aufgedrängt und ich werde mal schauen, wie weit ich komme. Genau darüber diskutierte man auch in dieser Runde bei Plasberg, wie weit darf und kann man gehen?
Also liebe Joanne, ich bin zwiegespalten, aber habe gerade heute angefangen zu lesen.
Ich bin ganz Deiner Meinung, diese Befragungen auf der Straße zeigten, dass selbst Studenten Göring oder auch Himmler nicht kannten! Dieses Thema darf und sollte niemals vergessen werden, es ist UNSERE Geschichte, die man auch niemals verdrängen und wie Du sagst, unter den Teppich kehren darf!

Ich freue mich immer von Dir zu lesen, liebe joanne
sende Dir ganz liebe Grüße und bleib uns erhalten meine Liebe !!!

Christine
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  #3  
Old 06.03.2013, 14:56
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Pilot040 Pilot040 is offline
Unwichtig...
 

Join Date: 21.02.2008
Location: NRW
Posts: 1.180
Pilot040 has disabled reputation
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Hallo ihr Lieben,

ja, es ist heute oft erschreckend, wie wenig Schüler und Studenten heute noch geschichtlich über diese Vorgänge wissen.
Sie lernen oftmals mehr "unwichtigen Kram" aus früheren Zeiten wie Details aus dem Mittelalter, Geschichtsdaten von Leuten, die lange vor Christi Geburt lebten (und die kaum noch interessant sind) - statt gerade die Details über unsere, die deutsche Geschichte. Die Prioritäten liegen da irgendwie falsch...

Hitler wurde im TV bzw. Kino oft veralbert und zur Witzfigur deklariert, egal ob in diversen Comedy-Sendungen (als trotteliger Kautz) oder ganzen Kinostreifen.
Mir entzieht es sich ehrlich gesagt auch, was damit erreicht werden soll.
Einerseits wird im damit wieder eine Art Aufmerksamkeit und "Wichtigkeit" zugestanden, die regelrecht gefeiert wird - andererseits gewinnt man den Eindruck, als sollen die Geschehnisse rund ums Dritte Reich damit verharmlost werden...

Ich mag auch keine Bücher lesen, die sich mit Fiktionen rund um seine Person beschäftigen und bar jeglicher Realität sind. Damit wird nur das verschleiert, was wirklich war.

Es interessiert mich schlicht nicht, wie er "die heutige Zeit sehen und erleben" würde und ebenso wie bei Elvis glaube ich persönlich auch nicht an Verschwörungstheorien, dass beide in Wahrheit heute noch unter uns leben sollen....
Er ist tot (bzw. beide) und alles andere ist "Peng"...

Es reicht schon völlig, was er zu SEINER Zeit angerichtet hat. Heute brauchen wir ihn ganz bestimmt nicht mehr, auch nicht im Kopf eines Buchs-Autors und dessen Vorstellung davon.

Heutige Jugendliche glauben vermutlich eh schon, dass Hitler der Urgroßvater von Bart Simpson oder der Vater von Lara Croft oder so war und Angela Merkel eine berühmte Filmschauspielerin an der Seite von Tom Cruise ist oder sowas in der Art...
Scheinwelten und Realität vermischen sich immer mehr in der Zeit der modernen Medien.. und irgendwie leben wir alle ja eh nur in einer holografischen Matrix.
__________________
Gruß,
Pilo



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  #4  
Old 08.03.2013, 20:35
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Carefully Carefully is offline
Carefully
 

Join Date: 15.01.2012
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Posts: 213
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Originally Posted by Pilot040 View Post
Hallo ihr Lieben,

ja, es ist heute oft erschreckend, wie wenig Schüler und Studenten heute noch geschichtlich über diese Vorgänge wissen.
Sie lernen oftmals mehr "unwichtigen Kram" aus früheren Zeiten wie Details aus dem Mittelalter, Geschichtsdaten von Leuten, die lange vor Christi Geburt lebten (und die kaum noch interessant sind) - statt gerade die Details über unsere, die deutsche Geschichte. Die Prioritäten liegen da irgendwie falsch...

Hitler wurde im TV bzw. Kino oft veralbert und zur Witzfigur deklariert, egal ob in diversen Comedy-Sendungen (als trotteliger Kautz) oder ganzen Kinostreifen.
Mir entzieht es sich ehrlich gesagt auch, was damit erreicht werden soll.
Einerseits wird im damit wieder eine Art Aufmerksamkeit und "Wichtigkeit" zugestanden, die regelrecht gefeiert wird - andererseits gewinnt man den Eindruck, als sollen die Geschehnisse rund ums Dritte Reich damit verharmlost werden...

Ich mag auch keine Bücher lesen, die sich mit Fiktionen rund um seine Person beschäftigen und bar jeglicher Realität sind. Damit wird nur das verschleiert, was wirklich war.

Es interessiert mich schlicht nicht, wie er "die heutige Zeit sehen und erleben" würde und ebenso wie bei Elvis glaube ich persönlich auch nicht an Verschwörungstheorien, dass beide in Wahrheit heute noch unter uns leben sollen....
Er ist tot (bzw. beide) und alles andere ist "Peng"...

Es reicht schon völlig, was er zu SEINER Zeit angerichtet hat. Heute brauchen wir ihn ganz bestimmt nicht mehr, auch nicht im Kopf eines Buchs-Autors und dessen Vorstellung davon.

Heutige Jugendliche glauben vermutlich eh schon, dass Hitler der Urgroßvater von Bart Simpson oder der Vater von Lara Croft oder so war und Angela Merkel eine berühmte Filmschauspielerin an der Seite von Tom Cruise ist oder sowas in der Art...
Scheinwelten und Realität vermischen sich immer mehr in der Zeit der modernen Medien.. und irgendwie leben wir alle ja eh nur in einer holografischen Matrix.
denke ich auch!
aber vielleicht wissen nicht Alle was wo passiert!
__________________
Alt wie `ne Kuh
lernst DU dazu?
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  #5  
Old 08.03.2013, 21:50
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BluesB4Sunrise BluesB4Sunrise is offline
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BluesB4Sunrise befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Interessantes Thema - insbesondere hier, wo ich mit Stellungnahmen eher gesetzterer Personen rechne, statt mit sinnlosem Geplapper uninformierten "Jungvolks".
Danke, Joanne, dass du das Thema eröffnet hast!

Ich sehe das Thema ambivalent.
Einerseits bin ich absolut dafür, auch als Deutscher endlich(!) ein gesundes(!) Empfinden für Nationalstolz entwickeln zu dürfen.
Die Kriegsgeneration und nahezu alle Beteiligten haben inzwischen das Zeitliche gesegnet. Die Nachkriegsgenerationen können also nicht mehr automatisch mit Schuld belastet werden, die sie ja gar nicht auf sich geladen haben. Insofern halte ich es auch für wichtig, dass wir Deutschen einen gesunden Umgang mit unserer Herkunft und Nation wiederherstellen, bevor beide entbehrlich geworden sind, weil sie sich selbst abgeschafft haben - und das wird in absehbarer Zukunft geschehen.

Das Land der Dichter und Denker hat seine Wurzeln und vor allem seinen Bildungsvorsprung längst vernachlässigt und ist somit Geschichte. Im internationalen Vergleich stehen wir mitlerweile recht bescheiden da. Einzig unser (schlecht verteiltes) Geld rechtfertigt noch unsere heutige Machtstellung. Wer heute noch auf Rassenreinheit und die Vormachtstellung arischen Genmaterials pocht, hat offensichtlich nicht mitbekommen, dass das reinrassige deutsche Volk schon heute zur Minderheit im eigenen Land gehört - und das ist offensichtlich 1. unabdingbar und 2. politisch scheinbar so gewollt.

Auch wünsche ich mir, dass die Nachkriegsgenerationen aus den Fehlern der Kriegsjahre gelernet haben und sie somit vermeiden können, aber ich finde tatsächlich, dass wir das Tabuthema Adolf Hitler endlich enttabuisieren müssen, um vom nationalen Schuld- und Minderwertigkeitskomplex geheilt werden zu können, denn ohne vorhergehende Heilung wird keine gesunde Entwicklung eines neuen Nationalgefühls stattfinden können.
Den Nachkriegsgenerationen wurde eingeimpft, dass sie große Schuld trägt und dies wird auf diplomatischer Ebene nach wie vor gern als Totschlagargument bzw. in erpresserischer Weise genutzt. Dies missbillige ich.
Solange in den Familien noch Menschen lebten, die den nachwachsenden Generationen begreiflich machen konnten, was "damals" eigentlich passierte, hatte die Aufrechterhaltung des Schuldkomplexes vielleicht noch Sinn. Aber spätestens, seitdem es keine Kriegsteilnehmer mehr gibt, die den Heranwachsenden authentisch nahelegen können, warum es furchtbar dumm ist, sich vergiftetem braunem Gedankengut anzuschließen, hat die General-Verteufelung der deutschen Nationalidentität einen derart abstrakten Charakter angenommen, dass es für Jugendliche und junge Erwachsene wieder recht attraktiv geworden ist, sich auf diesem Weg gegen die älteren Generationen abzugrenzen und ist demzufolge kontrakproduktiv im Sinne der Intention.

Wir verzeichnen momentan eine Retro-Welle in Richtung der 30er bis 50er Jahre. Solche Entwicklungen fangen in Jugend-Subkulturen an und sobald der Markt entdeckt hat, dass man mit solchen Strömungen Geld verdienen kann, wird es in Richtung Mainstream vorangetrieben und verebbt danach wieder. Zwischenzeitlich verliert sich alles inhaltlich Wesentliche und wird auf Oberflächlichkeiten reduziert. Am Ende bleibt ein melancholisch verklärter Blick auf die "gute alte Zeit" ohne jegliche Kenntnis von den wahrhaftigen Ereignissen - und darin sehe ich hier die Gefahr.

Ein offen zur Schau getragener Rechtsextremismus ist mir jedenfalls wesentlich lieber als das seit Jahren stetige Anwachsen rechten Gedankenguts in der aufgeklärten Mitte unserer Gesellschaft - und da kann es mir eigentlich nur Recht sein, wenn auch ein Adolf Hitler mittlerweile als Witzfigur herhalten darf, weil sich dann vielleicht der eine oder andere mal wieder mit seiner nationalen Vergangenheit auseinandersetzt und vor allem, weil der zum übermächtigen Dämon hochgejammerte Herr Hitler auf diesem Wege wieder auf seine eigentliche Größe von 1,73 herabgeschrumpft wird - nämlich als Redner, der es meisterhaft verstand, den Zeitgeist aufzunehmen und unter Aufbringung erheblicher Finanzmittel in seinem Sinne zu lenken.

Dass solche Volks-Lenkung auch heute permanent dank Medien passiert, ist niemandem mehr bewusst. Glücklicherweise geht es heute kaum mehr um politische Themen, sondern nur noch um Konsumgütervertreib bzw. künstliche Bedürfniserweckung und ein bisschen Blabla, um di eMassen im Zaum zu halten.

Wenn Herr Hitler also heute als markttaugliche Witzfigur dazu beiträgt, unser verdummtes Denkervolk nochmal aufzurütteln, dann soll es mir nur Recht sein. Ich glaub aber nicht dran. Ich glaube eher, dass die urdeutsche, dunkelbraune Seele alle 3-5 Genrationen mehr oder weniger kräftig aufmucken muss. Die Frage ist nur, wie ernst man sie dann nimmt.

Nazis totlachen finde ich jedenfalls heute viel besser, als die ständigen Hauereien, die in meiner Jugend nix außer Beulen, Blutergüssen und vergänglichen Ruhm brachten.
__________________
If you´ve ever had the Blues, you´ve got a hole in your soul
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  #6  
Old 11.03.2013, 12:12
joanne joanne is offline
In Gedenken an
 

Join Date: 16.03.2008
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Posts: 197
joanne befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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liebe freunde, euere beiträge- verschieden in länge, aber ähnlich in ansichten- habe ich mit
interesse gelesen. Ich möchte noch etwas dazu berichten, das zwar nicht direkt zu dem thema
gehört, aber doch aufräumen kann mit einer oftmals gehörten fälschlichen meinung: Alle juden
und "das ausland" hielten "die deutschen" für verantwortlich für die verbrechen, die begangen wurden. Dazu zwei meiner eigenen erlebnisse: Ich lebte ab 1951 für 35 jahre in kanada, also
von einer nicht zu langen zeit nach kriegsende an. Ich arbeitete beruflich in einem kranken-
haus. Eine patientin fragte mich eines tages, was denn mein "entzückender akkzent" sei? ich ließ sie erst raten; als dänisch, holländisch und noch irgend eine falsche nationalität genannt wurde,
sagte ich, lachend: "alles falsch-german"!--darauf fiel ihr mund sichtbar auf und dann sagte sie:
"oh,-well, I guess they are not all bad"! Die andere erfahrung war mir sehr wertvoll und ge-
schah während meiner teilnahme an einem treffen zwischen schülern und dem damals noch le-
bendem Ignaz Bubis, vorsitzendem des zentralrats der juden in deutschland. eine unserer
örtlichen schulen hatte dieses treffen arrangiert. Unter anderem sagte bubis: Wir juden betrach-
ten niemanden als schuldig an uns, es sei denn erwiesen, dass er teil hatte an den verbrechen direkt oder indirekt; aber wir erwarten dass die aufklärung nicht vernachlässigt und fakten ge-
fälscht werden." und dann wandte er sich an einen jungen und bezog sich auf dessen vorherige
bemerkung:" und nun zu deinem zweifel, ob die zahl 6 mill. umgekommener juden nicht stark
übertrieben sei: wenn aus meiner verwandschaft schon 18 mitglieder getötet wurden, dann
ist die zahl bei einer bevölkerung von 79 mill. sehr wohl möglich- und auch erwiesen".
gerechnet
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