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Eigene Gedichte und freie Texte Wer gerne eigenes Gedankengut veröffentlichen oder freie Texte einstellen möchte, kann das gerne hier tun. Bitte unter Beachtung des Copyright's

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  #1  
Old 30.09.2011, 09:50
Pedro Pedro is offline
Chatter und Forenschreiber
 

Join Date: 13.04.2010
Posts: 59
Pedro befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Default Ein kleiner Zwischenfall

Er fährt auf der Straße nach O., früh ist es, kaum Verkehr. Die Nacht ist mal wieder kurz gewesen, zu kurz.
Endlose Diskussionen und viel Wein.
Er würde gleich an einem der vielen Elendsviertel vorbeifahren, es liegt direkt neben der Straße. Hier ist er oft gewesen, kennt einige Leute.
Tanken müsste er bald, der Zeiger ist nahe bei Null.

Dann sieht er einen schwarzen Kombi ohne Nummernschilder am Straßenrand stehen. An einer Bushaltestelle schlagen zwei Männer mit Schlagstöcken auf einem am Boden liegenden Mann ein und treten ihn mit Füßen.
Er beschleunigt und drückt auf die Hupe, die Männer springen in ihren Kombi und rasen davon.
Er hält an und steigt aus.
Der Mann ist mühsam aufgestanden, hat sich auf eine Bank gesetzt. Er keucht und umklammert seinen zerfledderten Brotbeutel, als ob dieser etwas wäre, an dem er sich festhalten könnte. Seine Kleider sind zerrissen, aus Mund, Nase und Ohren rinnt Blut. Er hat nur noch einen Schuh an, der andere liegt auf der Straße.
Es ist Manuel G., vierzig Jahre alt, leicht geistig behindert.. Er wohnt hier mit seiner Mutter zusammen.

Manuel fährt jeden Tag frühmorgens in einen Supermarkt, wo er Waren aus- oder einpackt. Das kann er, hat seit Jahren nie gefehlt.
Bei nächtlichen Treffen saß er immer nur da, fast nie sagte er etwas, nur manchmal nickte er. Er war immer bereit gewesen, Aufgaben zu übernehmen, die ihm übertragen wurden.
In die Stadt war er nachts gegangen und hatte Flugblätter verteilt.

Jetzt rennen ein paar Männer aus den umliegenden Häusern auf die Straße.
Ja, gesehen und gehört hätten sie, wie diese Schweine auf Manuel einschlugen, aber was hätten sie denn tun können, das waren doch Polizisten.
Er holt den Verbandskasten aus dem Auto und läuft zu Manuel. Der sitzt immer noch auf der Bank.
Wo soll er überhaupt anfangen, ihn zu verbinden? Er würde ihn ins nächste Krankenhaus fahren.
Er fasst ihn vorsichtig am Arm und will ihn zu seinem Auto bringen. Manuel sträubt sich.
„Ich muss auf den Bus warten, ich muss zur Arbeit“, flüstert er. .
Dann fällt Manuel plötzlich nach vorne. Er rutscht auf den Boden und bleibt liegen. Seinen Brotbeutel hält er noch immer fest umklammert.
Er beugt sich hinunter und versucht Manuel aufzurichten:
„Komm, ins Krankenhaus!“
Einige Männer versuchen mit anzupacken.
Aber Manuel rührt sich nicht mehr, sagt nichts mehr, atmet nicht mehr, wird nicht mehr jeden Tag auf den Bus warten und nie mehr zur Arbeit gehen.
Morgen würde in der zensierten Presse vielleicht kurz einen kleinen Zwischenfall erwähnt.
__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne hat, dann beißen sie hinein und sagen: „Schmeckt gar nicht wie Birne.“< (Max Frisch)
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  #2  
Old 17.12.2011, 14:25
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Josso Josso is offline
Diptamnus albus
 

Join Date: 21.02.2008
Posts: 2
Josso befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Default

Märchen
vom Auszug aller "Ausländer"


von Helmut Wöllenstein
Quote:
Es war einmal, etwa drei Tage vor Weihnachten, spät abends. Über dem Marktplatz der kleinen Stadt kamen ein paar Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die mauer die Worte "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen". Steine flogen in das Fenster des türkischen Ladens gegenüber der Kirche. Dann zog die Horde ab. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Fenstern der Bürgerhäuser waren schnell wieder zugefallen. Niemand hatte etwas -gesehen.





EDIT von Admin: Vollzitat, daher gekürzt und als Zitat gekennzeichnet. Wer mag, kann die Geschichte gerne im Internet weiterlesen. Bitte Regeln (gerade über erlaubte Kleinzitate) lesen und beachten.
__________________
Ab heute beschließe ich, enthaltsam zu leben.......
wenn ich nämlich so weitermache wie bisher........
würde ich mit 60 Jahren auf stattliche 89 Geliebte blicken.
Keine rosigen Aussichten.............oder?
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